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Faszination Technik Klub

45 Minuten Hochspannung!

Fliegen mit starken Triebwerken, Kindervorlesung an der HAW Hamburg (von Katharina Jeorgakopulos).

09.03.2016

Die 150 Kinder in dem Hörsaal der HAW halten den Atem an. Was sich dort auf dem Beamer vor ihnen auf sie zubewegt lässt den Atem stocken. Ein A380, das größte Flugzeug der Welt, rollt dort direkt auf sie zu und dann das. Auf der rechten Seite des riesigen Flügels fällt plötzlich eines der lastwagengroßen Triebwerke aus. Das Flugzeug kommt dabei ins Schlingern. Erst bricht es nach rechts, dann nach links aus. Dabei wanken das blau-weiße Ruder sowie die Flügel des Riesenfliegers gefährlich hin und her. Unwillkürlich duckten sich die Kinder unter die Klapptische. Doch der geschulte A380-Pilot hat das schwere Flugzeug sogleich wieder unter Kontrolle. Sanft, wenn auch etwas flügellahm hebt es von der Landebahn ab und steigt über die Köpfe der Kinder hinweg.

Professor Dr.-Ing. Dragan Kozulovic, der die Vorlesung „Starke Triebwerke für schnelle Flugzeuge" am vergangenen Freitag, den 19. Februar, im Rahmen der Kindervorlesungsreihe „Faszination Fliegen“ an der HAW hielt, beruhigt die Kinder sogleich. „Bei diesem Triebwerksausfall handelt es sich nur um einen Test“, sagt er. Dieser aber ist  für den A380-Piloten (sowie für die großen und kleinen Zuschauer) dennoch ziemlich aufregend.

Was Prof. Dragan Kozulovic den 8 bis 12jährigen Kindern damit vorführt, ist der Beweis, dass selbst so ein Riesenflugzeug auch mit einem Triebwerk weniger fliegen kann. Und das gilt nicht nur für den A380, der ja insgesamt vier Triebwerke hat, sondern auch für jeden regulären Flieger mit zwei Triebwerken. Denn diese dienen nicht der Balance oder der Symmetrie des Fliegens, wie man annehmen könnte. Sondern die Anzahl zwei hat ausschließlich mit der Sicherheit der Passiere zu tun. Das Flugzeug darf bei Verlust eines Triebwerks nicht abstürzen und kann den nächsten Flughafen erreichen.

Warum selbst ein so großes Flugzeug wie der A380, das so viel wie 110 ausgewachsene Elefanten wiegt, auf ein Triebwerk verzichten kann, erläutert Prof. Kozulovic den faszinierten Kindern. Er zeigt einen Querschnitt durch die Gondel. Hier, er zeigt auf den Kopf des Triebwerks, ist der Fan. Die Luft wird durch die vielen scharf geschliffenen Schaufeln eingesaugt, dann verdichtet. In der folgenden Brennkammer verbrennt die Luft dann zusammen mit Kerosin und treibt die Turbine dahinter an. Fast 2000 Grad heiß kann die Luft werden, die durch die Turbine schießt. Dabei entsteht der nötige Schubstrahl (bei dem A380 sind es 40 Tonnen x 4 Triebwerke = 160 Tonnen), den das Flugzeug braucht, um in einer sehr hohen Geschwindigkeit durch die Luft zu fliegen.
Leider gibt es mehrere Gründe, warum so ein Triebwerk ausfallen kann.

Besonders spektakulär war die Notwasserung des US-Airways-Flugs 1549 im Hudson River. Sein Flug endete nach nur wenigen Minuten aufgrund eines Vogelschlags. Die Vögel waren direkt in das Triebwerk eingesaugt worden und hatten es zerstört. Glücklicherweise handelte der Pilot schnell und alle 155 Insassen überlebten das Unglück. Aber auch von innen her drohen Probleme. So kann sich zum Beispiel bei Betrieb des Triebwerks eine der zahlreichen Schaufeln im Fan lösen. Diese schießt dann durch die Triebwerksgondel und löst eine Explosion aus. Auch diese Katastrophe wurde in einem Testversuch durchgespielt.

Wieder erklärt der Flugzeugexperte Kozulovic den Kindern dieses Phänomen anhand eines Films. „Was nicht passieren darf“, so der Professor der HAW, „ist, dass der Schlag die Gondel zerstört und das Triebwerk zerreißt. Dann nämlich stürzt das Flugzeug ab!“ Als das Video startet, wird es wieder wird es mucksmäuschenstill im Hörsaal. Die Schaufeln fangen an zu drehen und man kann klar und deutlich die bunt gefärbte Schaufel im Fan sehen, die gelöst werden soll. Als sie sich löst und durch das Triebwerk schleudert, leuchtet es im Inneren kurz auf wie bei einem Raketenstart. Aber, oh Wunder, die Gondel wird nicht zerstört. Obwohl das Triebwerk jetzt nur noch ein Schrotthaufen ist, hat die Gondel, also die Außenhülle, der Explosion standgehalten. Die Ingenieure, die den Test vorgenommen haben, sind überglücklich, denn der Versuch hat geklappt. Und, wie die Kinder ja gelernt haben, ist zwar nun eines der beiden Triebwerke erledigt, dennoch kann der nächste Flughafen angeflogen werden und alle kommen heil nach Hause.

Wie gut der Professor dieses schwierige Thema für Groß und Klein erklärt hat, zeigt der donnernde Applaus am Ende der Vorlesung von 45 Minuten Hochspannung.

Text: Katharina Jeorgakopulos / HAW Hamburg


Triebwerkskizze: http://www.dlr.de/Portaldata/1/Resources/portal_news/newsarchiv2010_2/Triebwerk.jpg


Explosion im Triebwerk (Video):
http://dieluftfahrt.blogspot.de/2007/02/video-rolls-royce-trent-900-airbus-a380.html



US-Airways-Flug 1549:
https://de.wikipedia.org/wiki/US-Airways-Flug_1549


Es geht: Fliegen und Landen eines A380 mit einem Treibwerk weniger (Video):
http://www.welt.de/videos/panorama_original/article10733639/Amateurfilm-zeigt-Notlandung-mit-defektem-Triebwerk.html






Veröffentlicht von: Lukasz Soltysiak

 
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